Die Pyrmonter Ritualmusik von Marc Roland

Porträt des Komponisten und seines Werks

Die AFuAM-Rituale sind die ersten und einzigen innerhalb der gesamten deutschen Freimaurerei für die eigens eine Musik komponiert worden ist! Diese beispiellose Ritualmusik begründet deshalb zugleich eine völlig neue Konzert-Kategorie. Was bisher im Tempel an maurerischer und sonstiger Musik zwischen den Ritualabschnitten als "Pausenmusik" erklingt, steht dort oft zufällig, sieht man einmal von dem Liedgesang in der Kette ab. Die "Pyrmonter Ritualmusik" ist dagegen eng mit den Ritualen I - II - III verwoben. Hier wird keine Instrumentale oder Gesangseinlage gespielt, sondern eine die Zeremonie begleitende, fördernde und ergänzende Musik. Ihr langer und mühevoller Entstehungsprozeß wurde mit Herausgabe des Orchesterwerkes auf einer Compact Disc durch die Loge "Friedrich zu den drei Quellen" glücklich abgeschlossen. Damit können alle Bauhütten dem oft beklagten musikalischen Notstand begegnen und ihre Arbeiten in einzigartiger Weise verbessern und vervollkommnen. Ist doch gerade die Musik "die rein menschlichste, die allgemeinste Kunst" (Jean Paul), die unsere Seele am sichersten und tiefsten trifft.

Der Komponist

Vor dem maurerischen Opus soll hier zunächst sein Schöpfer, der Komponist Br. Marc Roland (eigentlich Adolf Beeneken), vorgestellt werden. Er wurde am 4. Januar 1894 in Bremen als Sohn eines Getreide-Importkaufmanns geboren. Schon als Schüler nahm er private Musikstunden, die ihn so intensiv fesselten, daß er im Abitur durchfiel. Dennoch gelang ihm der Sprung zum Königl. Konservatorium in Würzburg, wo er durch glänzende Leistungen auffiel. Ab 1914 war er als Theater-Kapellmeister in Bremen tätig. 1916-17 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen, arbeitete danach wieder als Kapellmeister in Schlesien und folgte schließlich dem Ruf des bekannten Operettenkomponisten Jean Gilbert als dessen musikalischer Assistent nach Berlin. Hier sammelte er wichtige praktische Erfahrungen für seine eigentliche Bestimmung als freischaffender Komponist, der er von 1919 an war.

Schon vier Jahre vorher hatte er erstmals das Medium kennengelernt, das sein Leben später bestimmen sollte. Roland: "Damals, im Jahre 1915, kaufte mein Vater ein kleines Kino in Bremen. Da er wenig vom Geschäft verstand, kümmerte ich mich um die Filmvertreter, um die Reklame und um die Begleitmusik, denn ich studierte ja selbst die edle Musica. Da lernte ich den Film zuerst als Ware kennen, als Handelsobjekt, aber auch als Kunstschöpfung, die durch gut angepaßte Begleitmusik wesentlich gewinnen konnte. Nach dem Kriege kam ich nach Berlin, schrieb selbst die ersten Begleitmusiken zu großen stummen Filmen, wie "Golem" (von und mit Paul Wegener) und "Fridericus Rex" (1922) und war mit einem Male drin im Filmbetrieb". Sein "Parademarsch der langen Kerls" aus dem Fridericus-Film wurde so populär, daß er 1923 sogar zum offiziellen Armeemarsch avancierte. Es folgten Orchestrierungen mehrerer Stummfilme, darunter "Alt-Heidelberg" und "Der Weltkrieg" (2 Teile).

Alle diese Kompositionen waren für großes Orchester gesetzt, denn in den vielen Kinopalästen Berlins und in etwa 30 Theatern im Reich begleiteten Mammutorchester die Aufführungen auf der Leinwand. Die mühselige Filigranarbeit an den durchkomponierten Filmen jener Jahre läßt sich nur ungefähr ermessen, wenn man sich vor Augen hält, daß für 4 Meter Film (Spieldauer acht Sekunden) drei Takte Musik gebraucht wurden, ein Spielfilm aber 25002800 Meter oder entsprechend 90 Minuten lang war. Roland war neben Becce, Huppertz und Meisel der namhafteste Stummfilmkomponist, von dem viele Charakterstücke in den Kinos gepielt wurden. Er gehörte zu den ersten, die über die Filmmusik-Dramaturgie nachdachten und die die beginnende Diskussion über die Ästhetik dieser neuen Musikgattung mitbestimmten.

Daneben schrieb er auch Operetten, an deren textlicher Ausgestaltung er oft aktiv mitwirkte. Mit "Liebe und Trompetenblasen" landete er einen vielgespielten Erfolg (nach dem Krieg auch als Film). Roland:"Daß meine beiden Seelen so schnell zu ihrem Recht kommen würden, hätte ich selbst nicht geglaubt, obwohl mein Traum schon lange die einheitliche Schaffung von Buch und Musik war". 1930 ging in Prag unter großem Beifall die Uraufführung der Operette "Karussell der Liebe" über die Bretter. Max Brod (!) schrieb darüber im Prager Tagblatt: "Die Musik von Marc Roland ist von eleganter Formvollendung, sehr hübsch instrumentiert. Sie macht auf angenehme Art Konversation und weist auf einen mehr als durchschnittlichen Musiker hin. Die Einfälle werden nicht dick unterstrichen serviert, sondern erscheinen unaufdringlich und apart, steigern sich von Untermalung zur geschlossenen Nummer".

Kurz vor dem Ende des Stummfilms bündelte Roland die Interessen der 14 größten Musikverleger unter seiner Leitung in der von ihm gegründeten Filmmusik-Union. Der Tonfilm machte deren weitere Arbeit überflüssig. Roland ging zur "Tobis" und 1929 veranlaßte sein großer Ruf als erster Fachmann die "Ufa", ihn als Chef des neugeschaffenen Tonfilmreferates zu berufen. Da er sich in festen Stellungen nicht wohlfühlte, war er nach einem Jahr wieder selbständig. Es folgte nun eine Serie von Filmen, die er musikalisch betreute. Dabei wurde er von den Produzenten oft mit den Otto-Gebühr-Filmen um den Alten Fritz beauftragt: "Die Tänzerin von Sanssouci", "Der Choral von Leuthen", "Fridericus" (1936). Weitere Titel jener Zeit sind "Eine Nacht im Paradies", "Der Etappenhase", "Ein Mädchen mit Prokura", "Konjunkturritter", "Musketier Meier", "Der Klosterjäger" (nach Ganghofer), "Ferien vom Ich", (nach dem Roman von Paul Keller; 1952 in zweiter Fassung) mit dem bekannten Lied "Unter dem Sternenzelt". Durch die Interpretation der Comedian Harmonists blieben auch zwei Titel aus dem Film "Gassenhauer" lebendig: "Hofsänger-Serenade" und "Marie-Marie".

Unübersehbar ist die Zahl der Stars und Sternchen, mit denen Roland durch seine Arbeit in Verbindung kam. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß die ganze erste Reihe der damals bekannten Film-Prominenz dazugehörte. 1933 lernte er auch seine spätere Frau, die Schauspielerin Lieselotte Ebel, am Theater kennen. Denn neben der Filmarbeit schrieb er weiter für die Bühne musikalische Lustspiele, Operetten und Bühnenmusiken (z. B. zu Kleists "Prinz von Homburg"). Roland dirigierte im Rundfunk eigene Orchesterwerke, wurde in die Standesorganisation der deutschen Komponisten und in die Filmkammer gewählt und brillierte mit Taktstock und seiner eleganten Erscheinung auf dem großen jährlichen Filmball. Kurzum: Er war sehr erfolgreich, und Propagandaminister Goebbels wünschte den Eintritt des Komponisten in die NSDAP. Als Roland dem nicht nachkam, erhielt er von da an keinen Kompositionsauftrag mehr für Spielfilme. So setzte er die Theaterarbeit fort, bis er 1944 mit 50 Jahren noch zur Wehrmacht eingezogen wurde.

Nach dem Krieg lebte Marc Roland in München. Hier hat er sich alsbald große Verdienste in der Verbandsarbeit der GEMA erworben, der er schon seit 1926 angehörte. Er war zeitweise stellvertretendes Mitglied im Aufsichtsrat sowie in verschiedenen Kommissionen tätig. Noch 1990 gedachte die GEMA seines 15. Todestages. Und wieder einmal gehörte er zu den Pionieren. Denn er war der erste Komponist aus der Bundesrepublik, der mit einem eigenen Werk in der ehemaligen DDR zur Uraufführung kam: In Halle hatte 1952 seine heitere Spieloper "Der lange Pfeffer" Premiere. Hinter der Musik stand die Absicht, "tonale Chöre für keine Schande, eingängige Melodien für keinen Schimpf, Heiterkeit nicht für minderwertig, Wohlklang nicht für entehrend, Anmut nicht für seicht und Einfachheit nicht für niedrig" zu halten. Neue Musik für Spiel-, Kultur- und Industriefilme entstand ebenso wie zahlreiche Orchestermusik, Serenaden und Suiten, die sich durch einschmeichelnde Melodien, farbige Instrumentation und der rhythmischen Geschmeidigkeit auszeichneten. Auch die Musik zu dem amerikanischen Fernsehfilm "The Sergeant and the Spy" wurde von der Fachkritik als bedeutsame und bewundernswerte Leistung bewertet.

In dem Buch von H. A. Thomas über "Die deutsche Tonfilmmusik" (1962) kommt der Autor zu dem abschließenden Urteil über die ca. 100 Filmkompositionen Marc Rolands: "Musikdramaturgisches Können, stilistische Sicherheit, Einfallsreichtum und die Fähigkeit, diesen überzeugend zu verarbeiten, Formsinn und Formdisziplin, Gefühl für Architektonik und psychologisches Verständnis für das Publikum".

Der Bruder

Erst im Alter von 76 Jahren wurde Marc Roland 1970 in Bad Pyrmont, wo er inzwischen wohnte, unter der Bürgschaft von Generalmusikdirektor Walter Stöver in die Loge "Friedrich zu den drei Quellen" aufgenommen! Die Freimaurerei und ihr Ausdruck im lebhaften Gebärdenspiel der Rituale fesselten ihn sofort. Da es ihm immer darum zu tun war, den ganzen Sektor der Gefühle und Empfindungen anzusprechen, vermißte er bei den Arbeiten die adäquate Musik als Ergänzung des seelischen Erlebens. Still saß er in der Kolonne, hörte nach außen und innen, schaute auf die Stoppuhr und machte sich Notizen. Inspiriert durch seine vollendete Fähigkeit, dramatische Handlungen vertonen zu können, schuf er innerhalb von zwei entbehrungs- und arbeitsreichen Jahren alle Partituren der ritualbegleitenden Musiken für die TA I, II, III, Fest- und Trauerloge. Bis zu seinem Tode am 25. Februar 1975 versuchte er dann nachdrücklich ihre Einspielung und die anschließende Einführung in die Logen durchzusetzen.

Aus eigenem Antrieb hatte er zuerst während eines Collegium masonicum gegenüber dem Mitglied des Ritualkollegiums, Br. Wolfgang Scherpe, seine Pläne entwickelt. Seine Initiative, die VGL zu einer Einspielung und Kostenübernahme zu veranlassen, mußte schon deshalb fehlschlagen, weil Musik z. B. in der Großen Landesloge nur im Gesellengrad eine größere Rolle spielte. So wandte sich Br. Roland mit einem Aufruf in der "Bruderschaft" an die maurerische Öffentlichkeit, und in unserer Loge bildete sich durch den Einsatz von Br. Hartmut Kuhn ein "Freundeskreis Marc Roland", der 5600,- DM an Spenden aufbrachte. Mit diesem Geld wurde am 26.5.1973 unter der Stabführung des Komponisten mit dem Philharmonischen Staatsorchester Bremen die Musik für die Lehrlingsloge aufgenommen. Sie erhielt nach seinem Willen den Namen "Pyrmonter Ritualmusik". Es wurde seine letzte Aufnahme; die Einspielung der weiteren umfangreichen Teile konnte zum Kummer Br. Rolands nicht mehr finanziert werden.

In der Folge erhielt die Loge "Friedrich zu den drei Quellen" zahlreichen hohen Besuch. Das Ritualkollegium war beglückt und begeistert, auch die GL AFuAM sprach eine Empfehlung für den Einsatz in ihren Logen aus. Handlung, Sprache und Musik wurden in neuer, harmonischer Verschmelzung erlebt. Br. Scherpe dazu in der "Bruderschaft": "Ich glaube, daß man keine bessere Musik zur Zeit finden kann als die von Br. Marc Roland, und daß die Bruderschaft sich schnell und bald in diese Musik einhören wird und sie lieben lernt." Diese Prophezeiung ist in Bad Pyrmont in den vergangenen Jahren ganz und gar eingetroffen. Daß der Verkauf des Werkes an andere Logen (ca. 30) dagegen mangelhaft blieb, hat einen ganz einfachen Grund. Die Speicherung auf Bändern, die auf einem großen Spulentonband abgespielt werden müssen, stand einer Verbreitung sehr im Wege. Das Ansteuern der vielen verschiedenen "Takes" erforderte sehr viel Geschick, und zudem sind derartige Bandmaschinen auch außer Gebrauch gekommen. Erst die CD löste diese Probleme der Handhabung spielend.

Über ein Jahrzehnt ging ins Land, ohne daß das Gesamtwerk eingespielt worden war. Diesem Ziel kamen man durch jenen Kontakt näher, der geknüpft wurde, als der Verfasser auf dem GLT 1988 in Coburg während des Stuhlmeistergesprächs über Marc Rolands Ritualmusik berichtete. Br. Klaus Pawassar, Professor an der Kölner Musikhochschule, interessierte sich lebhaft für das Werk. Als ich ihm von den unaufgeführten Teilen erzählt wurde, wollte er sich unbedingt die Partituren ansehen. Nach einem Besuch in Pyrmont zog er im nächsten Jahr mit einem großem Koffer voller Noten wieder heim. Es bedurfte noch vieler Vorbereitungen und mühseliger Kleinarbeit, bis alles so eingerichtet war, daß man die "herrliche und tiefempfundene Musik" (Pawassar) aufnehmen konnte. Doch das große Werk gelang! Am 17.-18. Nov. 1990 dirigierte Br. Pawassar die Musiken zur Gesellen-, Meister-, Johannisfest- und Trauerloge mit dem Orchester der Kölner Hochschule für Musik (und einem Pyrmonter Bruder).

Es läßt sich schwer ermessen, wieviele glückliche Umstände hier zusammenkommen mußten, um das zu ermöglichen! Neben den einmalig günstigen Aufführungsvoraussetzungen bot uns Br. Pawassar noch während seiner Zeit als MvSt. einen Kostenanteil seiner Loge "Zum ewigen Dom" an, da wir durch den gleichzeitigen Kauf einer neuen Bauhütte schon sehr belastet wurden. Mit stattlichen 8300,- DM hat die Kölner Bruderschaft großzügig geholfen! In gleicher Höhe sammelten aber auch die Pyrmonter Brüder wieder Spenden, um ein Werk zu sichern, dessen Bedeutung für unsere Großloge und darüber hinaus außerordentlich ist. Denn seine wesentlichen Teile können selbstverständlich auch in jedem anderen Ritual verwendet werden.

Die Ritualmusik

Sie richtet sich im Ablauf natürlich nach dem Gehalt und der Gestalt der AFuAM-Rituale. Man muß sich vorstellen, daß alle wesentlichen Handlungen ihre musikalische Entsprechung und Vertiefung finden. Dazu als Beispiel nur die folgenden Abschnittsmusiken zur TA I: Einzug der Brüder / Öffnung der Loge / Erwartung des Suchenden / In diesen heil'gen Hallen / Die drei Reisen / Die Zirkelschläge / O Isis und Osiris / Bundeslied / Wiederbekleidung / Besinnung / Nach der Zeichnung / Gabensammlung / Schließung der Loge / Neues Kettenlied / Auszug der Brüder. Br. Marc Roland charakteresierte seine Komposition so: "Man wird leicht erkennen, daß durch den künstlerisch-planenden Schöpfer unendlich feine Unterschiede gemacht werden in der Führung, im Tempo, in der Lautstärke oder Diskretion, wie auch in der Ausdruckskraft der Musik. Sie soll nicht unterbrechen, vielmehr erfüllen; also kann sie niemals Selbstzweck werden. In den meisten Fällen endet sie nicht, sondern erwartet die Fortsetzung des sprachlichen Rituals." Deshalb legt Roland auch größten Wert darauf, daß die Aussteuerung meist leise sei, damit das einzig Wichtige, das Ritual, nicht in den Hintergrund gedrückt wird. Die verwendete klassizistische musikalische Sprache ist als Auslöser psychischer Empfindungen auch für ungeübte Hörer geeignet. Scherpe: "Das ist wohl auch der Grund, warum diese Musik so modern und dennoch oft mozartisch klingt." Ob mit großem Symphonie- oder intimen Kammerorchester: Immer vernimmt man jene geistig-seelische Grundhaltung, die dem Geschehen angepasst ist.

Br. Karl-Heiz Möseler forderte in seinem Beitrag zur "Musik in der Loge" (in: Scherpe: Das Unbekannte im Ritual) bereits 1977 von der Großloge AFuAM die Produktion eines "Mutterbandes" damit den zahlreichen kleinen Logen, denen die musikalischen Brüder fehlen, eine brauchbare und würdige Lösung der musikalischen Probleme ermöglicht und den übrigen bessere Bewegungsfreiheit verschafft werde. Hier ist nun ohne Zweifel diese Aufgabe umfassend gelöst. Und unsere Großloge hat insofern konsequent gehandelt, indem sie auf dem GLT 1991 eine eindeutige Empfehlung für den Einsatz der Rolandschen Ritualmusik aussprach. Es bleibt zu hoffen, daß die großen finanziellen Vorleistungen (ca. 30000,- DM) nicht vergeblich waren, und die nun produzierten CD´s ihren Weg in die Logen finden. Die 44 (+2) verschiedenen Musikstücke mit einer Spielzeit von 74 Minuten (!) sind nun für alle Brüder hörbar! Davon sind mehrere Musiken für ca. 20 weitere Funktionen gedacht, so daß der musikalische Rahmen für a l l e erforderlichen Einsätze gegeben ist. Das Vermächtnis des Komponisten findet so seine respektvolle Erfüllung.

Mit eindringlichen (bisher unveröffentlichen) Worten hat Br. Marc Roland selbst das Wesen seiner seiner freimaurerischen Musik beschrieben: "Was erwarten die Brüder im Tempel? Daß ihnen doch der Sinn aufgeht für 'Alles'. Was ist das? In den Ritualen begegnet es ihnen. Sie hören es, aber erleben sie es auch? Die geistige Einsicht - so hat es uns das Leben gelehrt - geht immer mit dem kritischen Zweifel einher. Logisches Denken und Erleben sind zweierlei. Um zu erleben, muß man disponiert sein. Und diponiert sind wir in unserer profanen Umwelt so außerordentlich selten. Alles Erleben hat in der Hauptsache psychische Voraussetzungen. Der große Umfang des Strebens zum Licht, zur Erkenntnis, zur Wahrheit findet sich aber im Ritual. Und hier wäre auch der Ansatz zur psychischen Hilfe willkommen, ja, notwendig! Es ist die Aufgabe einer Musik im Tempel, nicht - wie bisher - als Konzerteinlage zu dienen, sondern ausschließlich diese Voraussetzung zu schaffen, die erst das Ritual zum Erlebnis macht. Man erkennt auch, daß durch sich produzierende musizierende Brüder mit oft sehr bescheidenem Können eine doppelte Enttäuschung entstehen kann: Einmal die laienhafte Ausführung und zum anderen die Ablenkung vom Ritual durch das persönliche Auftreten. Deshalb stelle ich mir selbst die Aufgabe, eine eigene Ritualmusik zu schaffen, weil ich wußte, daß ich's kann. Es begann eine mühevolle Zeit, in der ich mir über die Aufgabe der Musik in den Phasen der Tempelarbeit klar werden mußte. Im übertragenen Sinn: 'Ritualmusikdramaturgie'! Und dabei entdeckte ich ihre eigentliche Bedeutung: Die seelische Komplettierung des vergeistigten Rituals. Damit erhält sie ihre besondere Aufgabe und wird sogar zum Ritualbestandteil, indem sie es ausweitet auf Geist u n d Gemüt. Und dieser Zuwachs bedeutet nicht nur eine Ausweitung, sondern auch eine psychische Aufwertung. Ich arbeitete, arbeitete - entwarf, zerriss und - dachte nach. Ich wurde für mein stolzes Selbstbewußtsein ziemlich gezüchtigt ... bis mir der Knopf aufging! Ich habe an dieser Ritualmusikdramaturgie viel, viel Zeit verwendet und sah zunächst nicht einmal eine Lösung. Am Rande: Es gibt nirgends etwas Ähnliches als Aufgabe. Weder auf der Bühne, noch im Film oder Melodram. Man wird verstehen, daß es anfänglich nur ein vorsichtiges Tasten war, um hier und da die musikalische Lösung zu finden. Hier wäre noch viel Interessantes zu ergänzen... aber, es gelang eben. Und zwar alles!

Das führte zu einer tiefen Erkenntnis: Musik kann durch Hinzufügen des Emotionalen dem gesprochenen Wort des Rituals eine Gefühlswelt aufschließen, die ins Transzendente strebt, dorthin, wo die letzten Tiefen der Ritualbotschaft erfühlt und damit erlebt werden können. Allerdings: Was für eine Musik? Nun, das bleibt mein Geheimnis! Ich weiß nämlich, daß diese meine Musik von keinem anderen geschaffen werden konnte. Dazu waren zu viele Voraussetzungen nötig. Es scheint so, als wäre ich der einzige, der entdeckt hat, was der Freimaurerei hier noch fehlt, warum ihr Ritual eigentlich noch ein Torso ist. Diese Erkenntnis konnte mir nur kommen, weil ich eine Ritualmusik schrieb; weil ich ihre eigenartige Wirkung erkannt und sie bei den Brüdern gesehen habe. Damit wird nämlich das Herzstück der Freimaurerei, das Ritual, etwas ganz Besonderes und damit Einmaliges. Es ist jetzt vollkommen! - Als Br. Scherpe lange mit mir sprach, und diese fehlende Ergänzung anregte, hab ich geglaubt, vielleicht vom Schicksal ausersehen worden zu sein, diese Aufgabe zu lösen."

Seiner Bestimmung ist Br. Marc Roland eindrucksvoll gerecht geworden. Auch nach dem Urteil von Stuhlmeistern, die mit dem Einsatz seiner Musik bereits praktische Erfahrungen sammeln konnten. Durch das kultivierte Klangbild des großen Orchesters wurden die Tempelarbeiten auf ein höheres Erlebnis-Niveau gehoben und ihre tieferen Wirkungen von den Brüdern intensiver erlebt. Schon 1973 schrieb Br. Wolfgang Scherpe: "Ich glaube, daß hier der Künstler und die Bruderschaft der Loge "Friedrich zu den drei Quellen" der Freimaurerei ein Werk geschenkt habe, dessen Bedeutung erst in einigen Jahrzehnten voll erkannt und gewürdigt werden kann." Diese Zeit ist jetzt gekommen! Die ganze Bruderschaft sollte dieses Geschenk dankbar "erhören" und die Bauhütten mit neuem Klang erfüllen. Verfasser Titus Malms

Viva la musica masonica!

Die CD für ein neues Klangerlebnis im Tempel mit allen Einsätzen für TA I - II - III, Johannisfest-, Trauerloge.
Philhamonisches Staatsorchester Bremen, Dirigent Marc Roland. Orchester der Musikhochschule Köln, Dirigent Prof. Klaus Pawassar.Begleitheft im Ritualbuchformat mit Biographie und Einsatzplan für alle Tempelarbeiten.
Für 40,- € über die Loge zu beziehen.

Presseartikel über Marc Roland

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